Behandlungsfehler - Wann liegt ein Behandlungsfehler vor?

Voraussetzungen eines Behandlungsfehlers

Im Falle eines ärztlichen Behandlungsfehlers kommt eine vertragliche wie auch deliktische Haftung in Betracht. Misserfolg allein ist kein Beweis für schlechte Behandlungsqualität. Das Medizinrecht sieht diese Tatsache durchaus vor und enthält entsprechende Regelungen. Dennoch haben Patienten im Falle eines Behandlungsfehlers das Recht auf bestmögliche Beratung und Unterstützung durch einen Anwalt, der sich im Medizinrecht auskennt. Egal ob es sich dabei um mangelnde Krankenhaushygiene, Dokumentationsmängel oder Aufklärungsfehler handelt: Geschädigte Patienten haben das Recht auf angemessene juristische Vertretung und auf eine ausreichende Entschädigung.

Für einen Behandlungsfehler muss ein Verstoß gegen den ärztlichen Standard vorliegen. Die ärztlichen Sorgfaltspflichten ergeben sich aus dem jeweiligen, dem behandelnden Arzt bei zumutbaren Anstrengungen zugänglichen und verfügbaren Stand der medizinischen Wissenschaft zum Zeitpunkt der Behandlung.

Der Arzt muss diejenigen Maßnahmen ergreifen, die von einem gewissenhaften und aufmerksamen Arzt aus berufsfachlicher Sicht seines Fachbereiches vorausgesetzt und erwartet werden. Der Facharztstandard ist höher als der Standard eines Allgemeinmediziners. Erst in wenigen Spezialkliniken erprobte Methoden der Diagnose und Therapie bestimmen nicht den ärztlichen Standard. Ebenso kann nicht die neueste und modernste apparative Technik verlangt werden. Auch nach Durchsetzung einer neuen Methode oder neuer medizinischer Geräte kann eine gewisse Karenzzeit bis zur Anwendung hinnehmbar sein.

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Was ist ein grober Behandlungsfehler?

Über den einfachen Behandlungsfehler hinaus existiert im Arzthaftungsrecht zudem der sogenannte grobe Behandlungsfehler. Der grobe Behandlungsfehler bezeichnet in Deutschland einen Sonderfall. Ein derartiger grober Fehler liegt vor, wenn der Arzt eindeutig gegen grundsätzliche, bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse verstoßen hat. Die Besonderheit liegt hier in der Tatsache, dass sich die Beweislast umkehrt. Bei einem einfachen Behandlungsfehler stehen die Patienten in der Beweispflicht. Also muss die Patientenseite vollständig beweisen, dass durch die Behandlung ein Schaden entstanden ist. Wird allerdings ein grober Behandlungsfehler festgestellt, dann kommt es zur umgekehrten Beweislast. In diesem Fall muss der Arzt nachweisen, dass sein Fehler gerade nicht für die gesundheitlichen Schäden des Patienten verantwortlich zu machen ist.

Das Gericht stellt auf Grundlage eines medizinischen Gutachtens einen groben Behandlungsfehler fest, wenn der Arzt einen Fehler begangen hat, welcher aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich erscheint. Die Behandlung hat damit gegen elementare Behandlungsregeln und Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft verstoßen. In der Praxis bedeutet dies, dass der Arzt bei der Behandlung des Patienten entgegen jedem medizinischen Standard und gegen praxisbewährte Erkenntnisse handelte. Somit hat er den Fehler und damit den Schaden direkt zu verantworten.

Vor Gericht gilt dabei: Ein Gutachter kann diese Feststellung nicht treffen, das ist richterliche Wertung. Der Sachverständige soll lediglich eine medizinische Einschätzung vornehmen. Ein Anwalt mit Prozesserfahrung und Fachwissen im Bereich Arzthaftungsrecht kann allerdings im Vorfeld einschätzen, ob es zur Beweislastumkehr kommt.

Zudem kommt es beim groben Behandlungsfehler zusätzlich auch darauf an, ob ein Facharzt oder eine Fachklinik die Therapie durchgeführt hat oder ob ein niedergelassener Arzt behandelte. Für den niedergelassenen Arzt gelten selbstverständlich andere Standards als für den Klinikarzt.

Therapiewahl - wer entscheidet?

Im Vorfeld einer jeden Behandlung ist die angemessene Therapieform zu wählen. Die Therapiewahl ist hierbei stets Sache des Arztes, bei gleichen Risiken ist der Therapie mit den besseren Heilungschancen, bei gleichen Heilungschancen der Therapie mit den geringeren Risiken der Vorzug zu geben. Bieten Therapien unterschiedliche Risiken und Erfolgsaussichten, muss der Patient darüber aufgeklärt werden und kann selbst über eine bestimmte Therapieart entscheiden, siehe auch Artikel Aufklärungspflicht. Eine möglichst transparente Aufklärung im Vorfeld der Behandlung ist dabei entscheidend.

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Welche Rolle spielt eine Überweisung an einen weiteren Behandler?

Der Klinikarzt, der auf Überweisung des Hausarztes/niedergelassenen Facharztes tätig wird, ist grundsätzlich nicht zu umfassender Beratung, sondern zur Erbringung der ärztlichen Leistung entsprechend der Überweisung verpflichtet. Jedoch muss er prüfen, ob die von ihm erbetene Leistung ärztlich sinnvoll ist, den Regeln der ärztlichen Kunst entspricht und nicht etwa kontraindiziert ist.

Etwaigen Zweifeln an der Richtigkeit der ihm übermittelten Diagnose hat er nachzugehen und darf sie nicht auf sich beruhen lassen. Er kann auch mit Einwilligung des überweisenden Arztes die notwendige Abklärung selbst vornehmen oder den überweisenden Arzt in einem Arztbrief von seinem Verdacht verständigen. Der Hausarzt darf sich darauf verlassen, dass die Klinikärzte seinen Patienten richtig behandelt und beraten haben, weil er auf deren bessere Sachkunde und größere Erfahrung vertrauen darf. Der Hausarzt darf die Untersuchungsergebnisse des hinzugezogenen Arztes jedoch nicht kritiklos übernehmen.

Was bedeutet "Vertikale Arbeitsteilung"?

Die vertikale Arbeitsteilung bedeutet das Zusammenwirken der im selben Fachgebiet eingesetzten Ärzte und Pflegekräfte. Die Grund- und Behandlungspflege fällt in den Aufgabenbereich der Pflegekräfte, erfolgt aber auf ärztliche Anordnung. Insofern stellt das Unterlassen aus ärztlicher Sicht gebotener Pflegemaßnahmen einen ärztlichen Behandlungsfehler dar.

Wichtig: Die zeitliche Nachfolge in der Behandlung

Im Falle zeitlich nachfolgender Behandlung durch verschiedene Ärzte ist vom Grundsatz der jeweiligen persönlichen Verantwortung auszugehen. Dabei stellt sich die Frage, ob im Fall zeitlich aufeinanderfolgender Behandlungen der erstbehandelnde Arzt, dem selbst ein Behandlungsfehler anzulasten ist, für Versäumnisse des zweitbehandelnden Arztes einzustehen hat. Hier gilt der Grundsatz: Der erstbehandelnde Arzt haftet grundsätzlich auch für Fehler des nachbehandelnden Kollegen. Ausgenommen sind hiervon grobe Behandlungsfehler.

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