Behandlungsfehler - Wann liegt ein Behandlungsfehler vor?

Voraussetzungen eines Behandlungsfehlers

Im Falle eines ärztlichen Behandlungsfehlers kommt eine vertragliche wie auch deliktische Haftung in Betracht. Misserfolg allein ist kein Beweis für schlechte Behandlungsqualität.

Es muss ein Verstoß gegen ärztlichen Standard vorliegen. Die ärztlichen Sorgfaltspflichten bestimmen sich nach dem jeweiligen, dem behandelnden Arzt bei zumutbaren Anstrengungen zugänglichen und verfügbaren Stand der medizinischen Wissenschaft zum Zeitpunkt der Behandlung.

Der Arzt muß die Maßnahmen ergreifen, die von einem gewissenhaften und aufmerksamen Arzt aus berufsfachlicher Sicht seines Fachbereichs vorausgesetzt und erwartet werden. Der Facharztstandard ist höher als der Standard eines Allgemeinmediziners. Erst in wenigen Spezialkliniken erprobte Methoden der Diagnose und Therapie bestimmen nicht den ärztlichen Standard. Ebenso kann nicht die neueste und modernste apparative Technik verlangt werden. Auch nach Durchsetzung einer neuen Methode oder neuer medizinischer Geräte kann eine gewisse Karenzzeit bis zur Anwendung hinnehmbar sein.

Therapiewahl - wer entscheidet?

Die Therapiewahl ist stets Sache des Arztes, bei gleichen Risiken ist der Therapie mit den besseren Heilungschancen, bei gleichen Heilungschancen der Therapie mit den geringeren Risiken der Vorzug zu geben. Bieten Therapien unterschiedliche Risiken und Erfolgsaussichten, muß der Patient darüber aufgeklärt werden und selbst über eine bestimmte Therapieart entscheiden, s. auch Artikel Aufklärungspflicht.

Welche Rolle spielt eine Überweisung an einen weiteren Behandler?

Der Klinikarzt, der auf Überweisung des Hausarztes/niedergelassenen Facharztes tätig wird, ist grundsätzlich nicht zu umfassender Beratung, sondern zur Erbringung der ärztlichen Leistung entsprechend der Überweisung verpflichtet. Jedoch muss er prüfen, ob die von ihm erbetene Leistung ärztlich sinnvoll ist, den Regeln der ärztlichen Kunst entspricht und nicht etwa kontraindiziert ist. Etwaigen Zweifeln an der Richtigkeit der ihm übermittelten Diagnose hat er nachzugehen und darf sie nicht auf sich beruhen lassen. Er kann auch mit Einwilligung des überweisenden Arztes die notwendige Abklärung selbst vornehmen oder den überweisenden Arzt in einem Arztbrief von seinem Verdacht verständigen. Der Hausarzt darf sich darauf verlassen, daß die Klinikärzte seinen Patienten richtig behandelt und beraten haben, weil er auf deren bessere Sachkunde und größere Erfahrung vertrauen darf. Der Hausarzt darf die Untersuchungsergebnisse des hinzugezogenen Arztes jedoch nicht kritiklos übernehmen.

Was bedeutet "Vertikale Arbeitsteilung"?

Die vertikale Arbeitsteilung bedeutet das Zusammenwirken der im selben Fachgebiet eingesetzten Ärzte und Pflegekräfte. Die Grund-/Behandlungspflege fällt in den Aufgabenbereich der Pflegekräfte, erfolgt aber auf ärztliche Anordnung. Insofern stellt das Unterlassen aus ärztlicher Sicht gebotener Pflegemaßnahmen einen Behandlungsfehler dar.

Wichtig: Die zeitliche Nachfolge in der Behandlung

Im Falle zeitlich nachfolgender Behandlung durch verschiedene Ärzte ist vom Grundsatz der jeweiligen persönlichen Verantwortung auszugehen. Dabei stellt sich die Frage, ob im Fall zeitlich aufeinander folgender Behandlung der erstbehandelnde Arzt, dem selbst ein Behandlungsfehler anzulasten ist, für Versäumnisse des zweitbehandelnden Arztes einzustehen hat. Hier gilt der Grundsatz: Der erstbehandelnde Arzt haftet grundsätzlich auch für Fehler des nachbehandelnden Kollegen. Hiervon gibt es allerdings Ausnahmen, beispielsweise bei einem sogenannten groben Behandlungsfehler.

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